Nach Netflix drosselt auch YouTube die Bildqualität wegen Corona-Krise

Nach Netflix drosselt auch YouTube die Bildqualität wegen Corona-Krise

Nach Net­flix wird auch YouTube die Bildqual­ität in Europa etwas ver­schlechtern, um die Net­ze in der Coro­n­avirus-Krise zu ent­las­ten. Alle Videos sollen zunächst in den kom­menden 30 Tagen nur noch in Stan­dard-Auflö­sung statt HD-Qual­ität über­tra­gen wer­den.

Die zu Google gehörende Video­plat­tform kündigte die Mass­nahme am Fre­itag an. EU-Kom­mis­sar Thier­ry Bre­ton begrüsste den Schritt.

Bei ein­er höheren Bil­dau­flö­sung gibt es ein schär­feres Bild, weil mehr Pix­el dargestellt wer­den. Dafür wer­den aber auch mehr Dat­en über­tra­gen. Net­flix emp­fiehlt für HD (High Def­i­n­i­tion) eine Inter­net-Geschwindigkeit von fünf Megabit pro Sekunde, während es bei Stan­dard-Auflö­sung drei Megabit pro Sekunde sind. Einen richtig grossen Sprung gibt es dann aber bei dem noch besseren Ultra-HD-For­mat: Hier wer­den zum Beispiel bei Net­flix 25 Megabit pro Sekunde benötigt. Auch auf Youtube gibt es Ultra-HD-Videos.

Net­flix hat­te nach Gesprächen mit Bre­ton bere­its am Don­ner­stagabend angekündigt, den Daten­durch­satz in Europa für zunächst 30 Tage zu drosseln. Die Net­flix-Nutzer soll­ten trotz­dem einen Dienst mit «guter Qual­ität» bekom­men, ver­sicherte die US-Fir­ma. Nach Ein­schätzung des Unternehmens wird Net­flix durch den Schritt aber 25 Prozent weniger Daten­verkehr verur­sachen.

In Europa gibt es ins­ge­samt die Sorge, dass die ver­stärk­te Heimar­beit und Nutzung von Unter­hal­tungsange­boten die Net­ze ver­stopfen kön­nen. Inter­net-Anbi­eter ver­sicherten bish­er, dass sie den Anstieg schul­tern kön­nen.

Quelle: www.watson.ch

Influencer in Zeiten vom Coronavirus: zwischen Falschinformationen, neuem Alltag und Aufrufen zum richtigen Verhalten

Influencer in Zeiten vom Coronavirus: zwischen Falschinformationen, neuem Alltag und Aufrufen zum richtigen Verhalten

Die Coro­na-Krise ist für Influ­encer in diesen Tagen das beherrschende The­ma. Ein Augen­schein auf Social Media zeigt, wie unter­schiedlich der Umgang damit ist. Von pflicht­be­wusst bis unser­iös ist alles mit dabei.

Das Coro­n­avirus und die von den Behör­den ange­ord­neten Mass­nah­men haben die Schweiz, Deutsch­land und einen Grossteil der Welt fest im Griff (zu den neusten Entwick­lun­gen). Das trifft auch auf Influ­encer zu, die über ihre Social-Media-Kanäle täglich ein gross­es und junges Pub­likum erre­ichen. Diese gehen unter­schiedlich mit der Sit­u­a­tion um, wie ein Blick auf die ver­schiede­nen Plat­tfor­men zeigt.

Wie jed­er, der sich online bewegt, sind auch Influ­encer nicht vor Falschin­for­ma­tio­nen sich­er. Auf­grund ihrer grossen Reich­weite ist es jedoch umso gefährlich­er, wenn sie irreführende oder falsche Nachricht­en ver­bre­it­en. Die Ver­bre­itung verun­sichert die Empfänger und erschw­ert es den Behör­den, die tat­säch­lichen Mass­nah­men effek­tiv zu kom­mu­nizieren. Der Rap­per Chris Brown teilte über seine Insta­gram-Sto­ry vorherige Woche eine von den Behör­den zurück­gewiesene Sprach­nachricht, wonach in den USA eine Aus­gangssperre ver­hängt wird und man keine Einkäufe mehr täti­gen kann. Der Account des Rap­pers hat über 62 Mil­lio­nen Fans. Einige davon ver­bre­it­eten die Nachricht im Anschluss über Twit­ter, dadurch erre­ichte die Falschin­for­ma­tion noch mehr Leute. 

Scherz und Fake liegen nahe beieinander

Es ist nicht der einzige Beitrag zum Coro­n­avirus, den Chris Brown auf sein­er Insta­gram-Seite teilte. Der Grossteil sind harm­lose Memes zum The­ma. Darunter ein Video, das anhand von Song­tex­ten auf die Social-Dis­tanc­ing-Regeln aufmerk­sam macht. Über seine Sto­ry ver­bre­it­ete er jedoch auch eine Pas­sage aus einem Buch der selb­ster­nan­nten Wahrsagerin Sylvia Browne von 2008, wo für 2020 eine Atemwegserkrankung voraus­ge­sagt wird, die so schnell wieder ver­schwinden wird, wie sie aufge­taucht ist.

Die Gren­ze zwis­chen dem, was lustig ist, und dem, was bere­its zu weit geht, ist teil­weise schwierig zu find­en. Während die Social-Media-Per­sön­lichkeit Zeki noch vor ein­er Woche Leute im Scherz ange­hus­tet und mit Wass­er bespritzt hat und damit gemis­chte Reak­tio­nen her­vor­rief, nimmt er diese Woche mit ange­blich sehr wertvollen Acces­soires aus WC-Papi­er die Ham­sterkäufer auf die Schippe. Ein Video, das in den dazuge­höri­gen Kom­mentaren sehr viel bess­er ankam. Am Mittwoch zeigte Zeki dann, dass er auch Ernst kann: In einem in Schwarz-Weiss gehal­te­nen Video rief er seine Fans auf, die von den Behör­den ange­ord­neten Mass­nah­men zu befol­gen.

Einige Influ­encer ver­suchen, aus dem dom­i­nan­ten, wel­tumspan­nen­den The­ma Kap­i­tal zu schla­gen. Die auf Tik­tok präsente Ava Louise gelangte zu zweifel­haftem Ruhm, nach­dem sie in einem Video den Ring ein­er Flugzeug­toi­lette abg­eleckt hat­te und eine «Coro­n­avirus-Chal­lenge» hat­te lancieren wollen. Das unap­peti­tliche Video tat seinen Zweck: Es ging viral, und Ava Louise bekam weltweit Aufmerk­samkeit. Der Clip ist inzwis­chen wieder aus ihrem Kanal ver­schwun­den. Auch über andere Wege wird ver­sucht, mit dem Coro­n­avirus Reich­weite zu gener­ieren. Die Influ­encer Stephanie Lind­ner und Michael Bauer haben ein Gewinn­spiel lanciert, bei dem man ein Not­fall­paket, beste­hend aus Nudeln, Klopa­pi­er und Coro­na-Bier, gewin­nen kann – natür­lich gegen Likes, Abos und Markierun­gen.

Der Ver­such, aus dem Coro­n­avirus Prof­it zu schla­gen, kann unter Umstän­den auch gefährlich sein. Die frühere amerikanis­che Bach­e­lor-Kan­di­datin Krys­tal Niel­son teilte auf Insta­gram einen Beitrag, in dem sie erzählt, ein Arzt im Fernse­hen habe ange­blich gesagt, dass Kinder kein Coro­n­avirus bekom­men kön­nten, da sie keine Entzün­dun­gen hät­ten auf­grund von Alko­hol, Rauchen oder ver­ar­beit­etem Zuck­er. Dazu bewarb sie ihr eigenes Detox-Pro­gramm, das den Kör­p­er von innen her­aus zu heilen ver­möge. Während das Ange­bot das Wohlbefind­en und die all­ge­meine Gesund­heit der Teil­nehmer dur­chaus steigern kön­nte, gibt es keinen Hin­weis darauf, dass es beim Coro­n­avirus nützt.

Influencer treffen den richtigen Ton

Viele Influ­encer geben sich auch grosse Mühe, ihre Fans mit den richti­gen Infor­ma­tio­nen zu ver­sor­gen. Sie appel­lieren an die Fol­low­er, die Abstand­sregel einzuhal­ten, sich die Hände zu waschen und die Mass­nah­men der Behör­den ernst zu nehmen. Der Mod­er­a­tor und Come­di­an Ste­fan Büss­er, der selb­st zu ein­er gefährde­ten Risiko­gruppe gehört, erk­lärt in einem fün­fzehn­minüti­gen Video den Zuschauern den Ernst der Lage. Gemein­sam mit dem Arzt und Komik­er Fabi­an Untereg­ger schafft er den Spa­gat zwis­chen Humor und ser­iös­er Infor­ma­tion. Das gibt sog­ar Applaus vom Bun­de­samt für Gesund­heit (BAG).

Quelle: www.nzz.ch

Netflix senkt in Europa die Bildqualität, um die Datennetze zu entlasten

Netflix senkt in Europa die Bildqualität, um die Datennetze zu entlasten

Der Stream­ing-Dienst reagiert auf eine Forderung der EU und drosselt die Datenüber­tra­gung. In der Schweiz hat sich die Lage seit Mon­tag der­weil entspan­nt.

 

«Net­flix hat beschlossen, die Über­tra­gungsrat­en für alle unsere Streams in Europa zu reduzieren», teilte das Unternehmen aus dem Sil­i­con Val­ley am Don­ner­stag mit. «Wir schätzen, dass dies den durch Net­flix verur­sacht­en Verkehr in den europäis­chen Net­zen um etwa 25 Prozent reduzieren und gle­ichzeit­ig einen guten Qual­itäts­stan­dard für unsere Kun­den gewährleis­ten wird.»

Der Inter­netverkehr hat in vie­len europäis­chen Län­dern angesichts der Coro­na-Krise deut­lich zugenom­men. Am weltweit grössten Inter­net-Knoten in Frank­furt erhöhte sich der Daten­verkehr bin­nen Wochen­frist um 10 Prozent. Noch stärk­er war der Anstieg in Län­dern mit ein­er rigi­den Aus­gangssperre. In Ital­ien und Spanien stieg der Daten­verkehr in den ver­gan­genen Tagen um 40 Prozent. Trotz­dem herrscht unter Telekom­fir­men und Inter­ne­tan­bi­etern weit­ge­hend Kon­sens: Nein, die dig­i­tale Infra­struk­tur ste­he nicht vor dem Kol­laps.

Aufruf an Netflix und Youtube

Weniger opti­mistisch ist offen­bar die EU-Kom­mis­sion. Die ungewöhn­liche Lastverteilung des Daten­verkehrs berge die Gefahr ein­er Über­las­tung der Inter­net-Infra­struk­tur. Sie befürchtet ins­beson­dere, dass eine ver­stärk­te Nutzung von Video-Stream­ing­di­en­sten das Inter­net ver­stopfen kön­nte. Und dies in ein­er Zeit, in der dieses für das Gesund­heitswe­sen, Online-Unter­richt und andere Zwecke benötigt werde.

Der franzö­sis­che Bin­nen­mark­tkom­mis­sar Thier­ry Bre­ton will dies ver­hin­dern. Er forderte Plat­tfor­men wie Net­flix oder Youtube dazu auf, Mass­nah­men zu ergreifen. «Stream­ing-Plat­tfor­men, Teleko­man­bi­eter und Nutzer, wir alle haben eine gemein­same Ver­ant­wor­tung, Mass­nah­men zu ergreifen, um das rei­bungslose Funk­tion­ieren des Inter­nets während des Kampfes gegen die Aus­bre­itung des Virus zu gewährleis­ten», liess der ehe­ma­lige Chef von France Télé­com am Mittwoch ver­laut­en.

«Let’s switch to standard»

Bre­ton hat­te am Mittwoch und Don­ner­stag mit dem CEO von Net­flix, Reed Hast­ings, Tele­fonge­spräche zu dem The­ma geführt. Die bei­den hät­ten Optio­nen erörtert, wie eine Über­las­tung des Inter­nets ver­mieden wer­den könne. Dabei ging es unter anderem um die Idee, die Bildqual­ität bei stark­er Aus­las­tung automa­tisch zu reduzieren. Genau dies will Net­flix nun vor­erst für 30 Tage machen.

«Ich begrüsse die sehr raschen Mass­nah­men, die Net­flix ergrif­f­en hat, um das rei­bungslose Funk­tion­ieren des Inter­nets während der Coro­na-Krise zu gewährleis­ten», sagte Bre­ton gemäss der Nachricht­e­na­gen­tur Bloomberg am Don­ner­stag. Net­flix-Chef Hast­ings habe ein starkes Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und Sol­i­dar­ität bewiesen. «Wir wer­den in engem Kon­takt bleiben, um die Entwick­lung der Sit­u­a­tion gemein­sam zu ver­fol­gen.»

Situation bei Swisscom hat sich beruhigt

In der Schweiz hat der Bun­desrat jüngst ähn­liche Mass­nah­men oder gar eine Abschal­tung von «daten­fressenden» Dien­sten in den Raum gestellt. Falls gravierende Eng­pässe entstün­den, habe der Bund die Möglichkeit, «nicht ver­sorgungsrel­e­vante Dien­ste einzuschränken oder zu block­ieren.» Und Swiss­com teilte mit, in ein­er solchen Sit­u­a­tion «die entsprechen­den Dien­ste ein­fach nicht mehr durchzuleit­en.»

Dazu dürfte es nun nicht kom­men. Die dig­i­tale Lage der Nation scheint ohne­hin nicht mehr so bedrohlich. So lautet das Faz­it ein­er Umfrage unter den vier grössten Teleko­munternehmen des Lan­des:

  • Bei Salt funk­tion­iert das Mobil­funknetz sowie das Glas­fas­er-Fes­t­netz laut ein­er Sprecherin weit­er­hin ohne Ein­schränkung. «Wir haben zurzeit keine beson­deren Vor­fälle zu melden.» Natür­lich überwache man Funk­tion und Leis­tung der Net­ze kon­tinuier­lich. Das Unternehmen sei mit den Bun­desämtern für wirtschaftliche Lan­desver­sorgung (BWL) und Kom­mu­nika­tion (Bakom) in Kon­takt.
  • Die Anrufe über das Netz von Sun­rise haben sich in den ver­gan­genen Tagen ver­dop­pelt bis ver­dreifacht. «Unsere Infra­struk­tur stellt dies aber nicht vor Prob­leme, das Netz ist sta­bil.» Die Num­mer zwei im Schweiz­er Mobil­funk arbeite zusam­men mit Swiss­com daran, die Kapaz­itäten an den Interkon­nek­tion­spunk­ten – also den Verbindun­gen zwis­chen den Net­zen der bei­den Konkur­renten – zu erweit­ern.
  • Laut ein­er Sprecherin von Swiss­com war diese Zusam­me­nar­beit entschei­dend, um im Ver­gle­ich zum Mon­tag eine deut­liche Verbesserung zu erzie­len. Das Tele­fonie-Ver­hal­ten habe sich stark geän­dert, seit der Bun­desrat den Not­stand aus­gerufen habe: Die Kun­den tele­fonierten deut­lich mehr – und deut­lich länger. Dies führte ins­beson­dere in Spitzen­zeit­en punk­tuell zu Kapaz­ität­sen­g­pässen bei Anrufen zwis­chen Swiss­com- und Sun­rise-Kun­den. Gemein­sam arbeit­eten Swiss­com und Sun­rise nun inten­siv an Kapaz­ität­ser­weiterun­gen zwis­chen ihren Net­zen. Dadurch seien aus­re­ichend Kapaz­itäten vorhan­den, damit Tele­fonie wie auch Inter­netverkehr in der ausseror­dentlichen Sit­u­a­tion gewährleis­tet seien.
  • UPC hat ver­schiedene Szenar­ien und Mod­elle durchgerech­net, wie sich Home-Office und Schulschlies­sun­gen auf das Kun­den­ver­hal­ten und die Net­zka­paz­ität auswirken. Dabei sei der Kabel­net­z­be­treiber zum Schluss gekom­men, dass ins­beson­dere über den Tag genü­gend Sicher­heits­mar­gen bestün­den. Wenn nötig, könne UPC auch kurzfristig die Net­zka­paz­itäten erhöhen.

Offen­bar han­delte es sich bei der bun­desrätlichen Dro­hung um ein Gedanken­spiele nach dem Mot­to «Vor­sicht ist die Mut­ter der Porzel­lankiste». Dank der frei­willi­gen Mass­nahme von Net­flix dürfte das The­ma vom Tisch sein. Es ist anzunehmen, dass andere Stream­ing-Dien­ste dem Beispiel fol­gen wer­den. 

Quelle: www.nzz.ch

Online gepostete Fotos und Videos von Passanten landen in Datenbanken. Sie dienen der Optimierung von Gesichtserkennung und anderer künstlicher Intelligenz. KI-Datenbanken entstehen auch in der Schweiz.

Online gepostete Fotos und Videos von Passanten landen in Datenbanken. Sie dienen der Optimierung von Gesichtserkennung und anderer künstlicher Intelligenz. KI-Datenbanken entstehen auch in der Schweiz.

Online gepostete Fotos und Videos von Pas­san­ten lan­den in Daten­banken. Sie dienen der Opti­mierung von Gesicht­serken­nung und ander­er kün­stlich­er Intel­li­genz. KI-Daten­banken entste­hen auch in der Schweiz.

Vor der ETH im Jahr 2016 gemachte Videoaufnahmen sind frei abrufbar.

Vor der ETH im Jahr 2016 gemachte Videoaufnahmen sind frei abrufbar.

“The WILDTRACK Mul­ti-Cam­era Per­son Dataset” (Chav­daro­va et al.) Idi­ap, EPFL, ETH Zürich,  Bear­beitung: Adam Har­vey

Mar­cus Pfis­ter beze­ich­net sich selb­st als Dinosauri­er, jeden­falls dann, wenn es um neue Tech­nolo­gien geht. Dementsprechend spär­lich ist auch der Online-Auftritt des Bern­er Kinder­buchau­tors: eine sim­ple, etwas aus der Zeit gefal­l­ene Web­site, eine Face­book-Site, deren let­zter Ein­trag von 2011 stammt, und keine zehn Bilder auf Insta­gram. Umso erstaunter war Pfis­ter, als er erfuhr, dass sich Fotos von ihm, die im Netz ste­hen, in ein­er Daten­bank befind­en, mit der Gesicht­serken­nungssoft­wares getestet und trainiert wur­den. «Ich finde das selt­sam», sagt er am Tele­fon, «es würde mich sehr wun­dern, wenn man mit den weni­gen Bildern etwas anfan­gen kann.»

Doch Pfis­ters Gesicht ist eines von rund 100 000, die sich in der Bild­daten­bank mit dem Namen MS Celeb befind­en. Erstellt hat die Samm­lung der Soft­warekonz­ern Microsoft. Sie enthält mehr als acht Mil­lio­nen Fotos. Die Bilder wur­den aus dem Inter­net abge­grif­f­en, um eine Tech­nolo­gie zu verbessern, mit der Smart­phone-Besitzer ihr Handy entsper­ren, die Sicher­heits­be­hör­den zur Fah­n­dung von Krim­inellen ein­set­zen und autoritäre Régime zur Überwachung der Bevölkerung.

Datensammeln wie Clearview

Gesicht­serken­nung und andere Anwen­dun­gen der kün­stlichen Intel­li­genz (KI) sind auf dem Vor­marsch und wer­fen viele Fra­gen auf. Sie kön­nen das Leben erle­ichtern, bieten aber auch Poten­zial für Miss­brauch. Bei der Debat­te, wie und ob die Tech­nolo­gien einge­set­zt wer­den sollen, gerät eine Frage häu­fig in den Hin­ter­grund: diejenige, was nötig ist, um KI voranzutreiben – unsere Gesichter, Stim­men und Kör­p­er. 

Dass Daten­banken, deren Bilder aus dem Inter­net stam­men, dazu dienen, Gesicht­serken­nung zu trainieren, hat zulet­zt der Skan­dal um Clearview gezeigt. Die kleine Fir­ma aus den USA hat­te laut der «New York Times» mehr als drei Mil­liar­den Fotos aus Plat­tfor­men wie Face­book oder Youtube abge­saugt, um ihre Soft­ware zu opti­mieren. Diese soll im Stande sein, Mil­lio­nen von Men­schen innert weniger Sekun­den zu iden­ti­fizieren.

Die Art, wie Clearview seine Soft­ware trainiert hat, ist keine Aus­nahme. Damit Algo­rith­men bess­er darin wer­den, Gesichter zu erken­nen und sie Per­so­n­en zuzuord­nen, füt­tern Forsch­er sie mit Hun­dert­tausenden von Fotos. Je unter­schiedlich­er die Per­so­n­en darauf, je natür­lich­er und ungestell­ter die Auf­nah­men; je näher an der Sit­u­a­tion, in der die Tech­nik zum Ein­satz kommt, desto bess­er. Öffentlich zugängliche Foto­samm­lun­gen wie MS Celeb find­en ihren Weg in Forschungsin­sti­tute von den USA über Europa bis nach Chi­na. In vie­len Fällen stam­men die Bilder darin aus dem Inter­net. Die betrof­fe­nen Per­so­n­en haben davon meist keine Ahnung.

Mar­cus Pfis­ter ist ein­er von rund 200 Schweiz­ern, die sich in der Daten­bank MS Celeb befind­en. Unter ihnen sind Musik­er, Sportler, Poli­tik­er, Architek­ten oder Schrift­steller. Von Mar­tin Suter bis zu Simon­et­ta Som­maru­ga und Doris Leuthard. Offiziell umfasst MS Celeb nur «Celebri­ties», deren Bilder weniger geschützt sind. Laut Adam Har­vey, dem Wis­senschafter und IT-Kün­stler, der die Exis­tenz der Bild­daten­bank pub­lik gemacht hat, wurde der Begriff aber weit gedehnt. In der Samm­lung taucht­en auch Aktivis­ten, Jour­nal­is­ten oder Blog­ger auf, also schlicht Per­so­n­en, die einen Online-Auftritt haben. Von jenen Schweiz­ern, die wir neben Pfis­ter kon­tak­tiert haben, wusste nie­mand, dass sie Teil ein­er Daten­bank sind, mit der Überwachung­stech­nik trainiert wurde. Sie wur­den nicht nach ihrem Ein­ver­ständ­nis gefragt. «Wenn ich sagen kön­nte, ‹meine Bilder lieber nicht›, dann würde ich das tun», sagt der Kinder­buchau­tor, «aber wie soll man so etwas kon­trol­lieren?»

Microsoft hat­te MS Celeb 2016 ins Inter­net und damit Wis­senschaftern weltweit zur Ver­fü­gung gestellt. Wie Har­veys Recherchen und Research-Papers zeigen, wurde sie genutzt von Tech-Riesen wie IBM, Hitachi. Auch die chi­ne­sis­chen Fir­men Megvii und Sense­Time nutzten sie. Deren Soft­ware haben Chi­nas Behör­den laut Recherchen der «New York Times» ver­wen­det, um die Uig­uren-Min­der­heit zu überwachen. Ver­gan­genen Som­mer, nach­dem die «Finan­cial Times» über MS Celeb berichtet hat­te, nahm Microsoft die Daten­bank vom Netz. Ver­schwun­den ist die Samm­lung damit aber nicht. Wer sie herun­terge­laden hat, kann sie weit­er nutzen. Und über akademis­che File­shar­ing-Pro­gramme lässt sie sich noch immer find­en.

Bilder als «Instrumente für Überwachung»

«Das ist das Prob­lem mit diesen Daten­banken. Wenn du ein­mal in ein­er auf­tauchst, bekommst du deine Bilder da nie wieder raus», sagt Adam Har­vey. Er hat ein Dutzend solch­er Samm­lun­gen analysiert. Har­vey ist Amerikan­er. Heute lebt der 38-Jährige in Berlin. Seit 2010 beschäftigt er sich mit Bild­daten­banken, die ohne explizite Zus­tim­mung der Per­so­n­en darin erstellt wer­den. Mit seinem Pro­jekt Megapix­els unter­sucht er, woher die Bilder kom­men und wofür sie ver­wen­det wer­den. «Leute sollen ver­ste­hen, was mit ihren Fotos im Netz passieren kann», sagt er in einem Tele­fonge­spräch über die ver­schlüs­selte App Sig­nal. Präzise Zäh­lun­gen dazu, wie viele solche Bild­daten­banken heute im Umlauf sind, gibt es nicht. Har­vey geht von 300 bis 400 aus. Bei einem Teil davon han­dle es sich um Kopi­en bere­its existieren­der Samm­lun­gen.

 

Bevor er begann, das Netz nach Foto- und Videosamm­lun­gen zu durch­forsten, hat­te Har­vey Inge­nieur­wis­senschaften und Fotografie studiert. Dann entsch­ied er sich, einen anderen Weg einzuschla­gen. «Mir wurde klar, dass Fotografie nicht nur Kun­st ist, son­dern auch ein Werkzeug, um Infor­ma­tio­nen über eine Per­son zu sam­meln», sagt er, «wenn wir Bilder online stellen, wer­den diese zu Instru­menten für Überwachung.»

Die Jagd nach «wilden Aufnahmen»

In den 1990er Jahren erstell­ten Wis­senschafter Daten­banken zur Gesicht­serken­nung noch anhand von Stu­dioauf­nah­men. Doch bald wurde ihnen klar, dass sich die Tech­nik damit nur schlecht trainieren lässt. Die Fotos waren zu gut aus­geleuchtet und zu gestellt. Was man brauchte, waren Bilder in natür­lichen Sit­u­a­tio­nen. Forsch­er sprachen von Auf­nah­men «in the wild». 2007 veröf­fentlichte die Uni­ver­si­ty of Mass­a­chu­setts eine der ersten grossen Bild­daten­banken. Sie trägt den Namen «Labeled Faces in the Wild». Die Fotos darin wur­den aus dem Inter­net von Nachricht­en­sites gezo­gen und zeigten Per­so­n­en in ver­schiede­nen Sit­u­a­tio­nen, mit unter­schiedlichen Hin­ter­grün­den und Lichtver­hält­nis­sen.

Mit­tler­weile sei es üblich, Foto­samm­lun­gen mit Bildern aus dem Inter­net zu erstellen, sagt Har­vey. Mit ein­er soge­nan­nten Scraper-Soft­ware wür­den Bilder von Such­maschi­nen, Foto- und Video­plat­tfor­men abge­grif­f­en. Nicht nur soge­nan­nte «Celebri­ties» sind betrof­fen, son­dern auch völ­lig unbekan­nte Per­so­n­en. Min­destens eine Samm­lung enthält Fotos, die Nutzer auf die Plat­tform Flickr hochge­laden haben – Kinder­fo­tos inklu­sive. Die Urhe­ber hat­ten die Nutzung der Bilder durch eine Cre­ative-Com­mons-Lizenz bewil­ligt. «Dabei dachte wohl kaum jemand daran, was das für Fol­gen haben kann», denkt Har­vey. Andere Daten­samm­lun­gen wur­den aus Video-Auf­nah­men erstellt, etwa von der Überwachungskam­era eines Cafés.  

 

Für die Forschung «essenziell»

Für Forsch­er stellen öffentlich zugängliche Daten­banken eine wichtige Grund­lage dar, ob bei Gesicht­serken­nung oder in anderen Bere­ichen der KI. «Sie sind essen­ziell. Die Wis­senschaft ist davon abhängig», sagt Luc Van Gool, der das Com­put­er Vision Lab der ETH Zürich leit­et. Denn die Erstel­lung und Auf­bere­itung ein­er eige­nen Daten­bank ist aufwendig und teuer. Ohne den Open-Data-Ansatz würde man das Feld vol­lends grossen Konz­er­nen wie Face­book und Google über­lassen. «Diese sitzen auf Bergen von Dat­en und haben einen gewalti­gen Vorteil.»

Wo öffentliche Daten­banken lan­den und wie sie genutzt wer­den, lässt sich allerd­ings schw­er kon­trol­lieren. Har­veys Recherchen zeigen: Auch Forsch­er von Fir­men, die ihre Tech­nik mil­itärischen Ein­rich­tun­gen zur Ver­fü­gung stellen, ver­wen­den sie. Sind sich die betrof­fe­nen Per­so­n­en nicht bewusst, dass ihre Auf­nah­men gesam­melt und zu solchen Zweck­en ver­wen­det wer­den, wirft das ethis­che Fra­gen auf. «Wahrschein­lich wären einige Leute sog­ar gerne Teil ein­er Daten­bank, denn dadurch wer­den sie in der Forschung repräsen­tiert», denkt Har­vey, «sie soll­ten diese Wahl aber bewusst tre­f­fen kön­nen und die möglichen Ver­wen­dungszwecke ken­nen.»

KI-Datenbanken entstehen auch in Zürich

Viele KI-Daten­banken kom­men aus den USA. Doch sie entste­hen auch ander­swo, zum Beispiel in der Schweiz. Bei seinen Recherchen ist Har­vey auf eine Video-Samm­lung gestossen, die in Zürich erstellt wurde, auf der Poly­ter­rasse der ETH. Sie ist nicht für Gesicht­serken­nung aus­gerichtet, son­dern für Algo­rith­men, die erken­nen sollen, ob sich Per­so­n­en im Sicht­feld ein­er Kam­era befind­en. Bei dem Pro­jekt han­delt es sich um eine Zusam­me­nar­beit der École Poly­tech­nique Fédérale de Lau­sanne (EPFL), der ETH Zürich und der Forschung­sein­rich­tung Idi­ap. Es fol­gt wie viele andere dem Prinzip «in the wild» – also dem­jeni­gen ein­er so natür­lichen Erhe­bung wie möglich. Und es wirft die Frage auf, ob sich die erfassten Per­so­n­en darüber im Klaren waren, was mit ihren Auf­nah­men geschieht.

 

2016 posi­tion­ierten Forsch­er vor dem Hin­ter­aus­gang der ETH sieben Kam­eras und filmten Studierende, Lehrper­son­al und Pas­san­ten, die durch das Feld liefen. Die Auf­nah­men zeigen das Treiben auf der Poly­ter­rasse zeit­gle­ich aus ver­schiede­nen Winkeln: Mehrheitlich junge Leute gehen an den Kam­eras vor­bei, ihre Gesichter sind gut erkennbar. Auch der Ton wird aufgenom­men. Viele der Anwe­senden scheinen der Aufze­ich­nung keine grosse Beach­tung zu schenken. Hie und da blickt jemand direkt in eines der Objek­tive. Ein junger Mann winkt, ein ander­er zeigt den Mit­telfin­ger.

 
Video thumbnail

Die Videos kön­nen auf der Web­site der EPFL aufgerufen wer­den. Zwar ist dort fest­ge­hal­ten, dass sie Dritte nur zu Forschungszweck­en nutzen dür­fen. Wer will, kann sie aber ohne Ein­schränkung herun­ter­laden. Die Daten­bank mit dem Namen Wild­track soll Meth­o­d­en der Per­son­en­erken­nung trainieren und testen. Die Anwen­dun­gen sind vielfältig. Die Tech­nik kommt laut den Forsch­ern hin­ter Wild­track zum Beispiel bei selb­st­fahren­den Autos zum Ein­satz oder, um Men­schen in ein­er Menge zu zählen.

 

Die Videos sind aber auch für Algo­rith­men nüt­zlich, die eine Per­son über mehrere Kam­eras als dieselbe erken­nen und so ver­fol­gen kön­nen. Forsch­er von Microsoft und Worm­pex, der Forschungsabteilung ein­er chi­ne­sis­chen Kette für kassen­lose Nach­barschaft­slä­den, erk­lärten in einem Paper, sie wür­den Tech­nolo­gie, die sie mit Wild­track und ein­er weit­eren Daten­bank getestet hät­ten, kün­ftig für diesen Zweck weit­er­en­twick­eln. Wis­senschafter der chi­ne­sis­chen Nan­jing Uni­ver­si­ty of Aero­nau­tics and Astro­nau­tics und der britis­chen Uni­ver­si­ty of Leices­ter zitierten die Daten­samm­lung in einem Doku­ment, bei dem es um die Weit­er­en­twick­lung von Drohnen geht, die Men­schen aus ein­er gewis­sen Ent­fer­nung als solche erken­nen sollen.

Wenn die Daten­samm­lung in diesem Zusam­men­hang einge­set­zt wor­den sei, würde ihn das erstaunen, erk­lärt François Fleuret, Wild­track-Pro­jekt-Ver­ant­wortlich­er am Insti­tut Idi­ap. Da die Auf­nah­mewinkel nicht diesel­ben seien, sei die Daten­bank für diesen Zweck schlecht geeignet. Sie sei defin­i­tiv nicht für Überwachung­stech­nolo­gien erstellt wor­den. 

Wurde ausreichend informiert?

Studierende und Dozen­ten der ETH wur­den laut der EPFL nicht im Vor­feld über die Aufze­ich­nung informiert. Man habe aber die nöti­gen Vorkehrun­gen getrof­fen, erk­lärt die Press­es­telle in Lau­sanne: Die Bewil­li­gungsstelle der ETH Zürich habe eine Bewil­li­gung erteilt (diese stellt den Daten­schutz in die Ver­ant­wor­tung des Antrag­stellers, in diesem Fall laut ETH ein Angestell­ter von Idi­ap). Die Kam­eras seien gut sicht­bar gewe­sen. Wer nicht durch das Auf­nah­me­feld gehen wollte, hätte leicht auswe­ichen kön­nen. Schilder an den Kam­eras hät­ten angegeben, dass ein Dreh stat­tfand – zu Forschungszweck­en. Unter ein­er E‑Mail-Adresse hät­ten gefilmte Per­so­n­en die Löschung ihrer Sequenz fordern kön­nen. Das habe nie­mand getan.

 

Wofür genau ihre Auf­nah­men ver­wen­det wer­den, wurde den gefilmten Per­so­n­en, auss­er auf Nach­frage, aber offen­sichtlich nicht mit­geteilt. Noch kon­nten sie wohl damit rech­nen, dass die Videos anschliessend im Inter­net ste­hen, wo sie – trotz dem Hin­weis – nicht nur Forschungsin­sti­tute, son­dern auch andere Nutzer herun­ter­laden kön­nen.

Roland Math­ys, Recht­san­walt in Zürich mit Schw­er­punkt Daten­schutz, der die Videos ein­se­hen kon­nte, sieht in dem Vorge­hen «zumin­d­est Verbesserungspoten­zial». Man hätte Studierende und Lehrper­son­al detail­liert­er und bere­its im Vor­feld informieren kön­nen. Die For­mulierung, dass «zu Forschungszweck­en» gefilmt würde, hält er für zu all­ge­mein. Grund­sät­zlich müsse es Per­so­n­en möglich sein, zu erken­nen, dass gefilmt werde, bevor sie den Auf­nah­me­bere­ich beträten. Dass das in diesem Fall so gewe­sen sei, bezwei­fle er. Als «prob­lema­tisch» stuft er ein, dass die Videos, auf denen die Per­so­n­en gut erkennbar sind, offen ins Netz gestellt wur­den.

«Hät­ten wir die Gesichter unken­ntlich gemacht, hätte das die Übungs­dat­en ver­fälscht», erk­lärt François Fleuret. Luc Van Gool von der ETH, der Teil des Wild­track-Forscherteams war, sieht das gle­ich. Er räumt aber ein, dass man Daten­banken hin­ter eine Schranke stellen kön­nte, so dass Forsch­er, die diese nutzen woll­ten, darum anfra­gen müssten.

Studierende der ETH waren von den Auf­nah­men über­rascht. Sehr gross­es Kopfzer­brechen scheinen sie ihnen allerd­ings nicht zu bere­it­en. «Ich kann mich dunkel an die Kam­eras erin­nern», sagt Tier­ry Hör­mann. Der 24-jährige Infor­matik­stu­dent ist Vor­sitzen­der des Studieren­den­ver­ban­des der ETH. Zu welchem Zweck damals gefilmt wurde, wusste er nicht. «Im Sinne der Forschung finde ich per­sön­lich das aber in Ord­nung», sagt er. Sein Kol­lege Flo­ri­an Moser ist kri­tis­ch­er. «Ich würde mich so ein­er Aufze­ich­nung gerne entziehen.» Er wolle nicht zu ein­er Tech­nik beitra­gen, bei der man nicht auss­chliessen könne, dass sie zur Überwachung einge­set­zt werde. «Auch dass die Videos im Inter­net frei abruf­bar sind, ist für mich nicht okay.» Aber, fügt er hinzu, auch er gewichte das Inter­esse der Forschung höher. Und andere Unternehmen und Insti­tute gin­gen beim Daten­sam­meln im Inter­net um einiges schlim­mer vor. Schliesslich wür­den unsere Infor­ma­tio­nen heute ohne­hin über­all abge­grif­f­en.

Quelle: www.nzz.ch

Kettenbriefe und falsche Shops für Schutzmasken: Mit dem Coronavirus kommen auch die Fakes

Kettenbriefe und falsche Shops für Schutzmasken: Mit dem Coronavirus kommen auch die Fakes

Über What­sapp oder Face­book gelan­gen viele falsche, irreführende oder betrügerische Infor­ma­tio­nen zu Covid-19 unter die Men­schen. Wie gehen Behör­den und Plat­tfor­men damit um?

«Jed­er sollte sich­er­stellen, dass Mund und Hals feucht und niemals trock­en sind. Nehmen Sie min­destens alle 15 Minuten ein paar Schlucke Wass­er zu sich. Warum? Selb­st wenn das Virus in Ihren Mund gelangt, das Trinken von Wass­er oder anderen Flüs­sigkeit­en spült es durch Ihre Speis­eröhre in den Magen. Ist es dort angekom­men, tötet die Magen­säure das Virus ab.» Diese Worte – etwas angepasst an die Rechtschrei­bung – stam­men aus einem Ket­ten­brief, der auf What­sapp die Runde macht. Der Tipp stamme von Experten aus Japan. Dazu gibt es noch weit­ere Tipps und Infor­ma­tio­nen rund um das Coro­n­avirus, die man doch bitte mit Fam­i­lie, Fre­un­den und Bekan­nten teilen soll.

Das Beispiel ist ein­er von vie­len Ket­ten­briefen, die zurzeit auf What­sapp herumgeschickt wer­den. In einem anderen wird vor einem apoka­lyp­tis­chen Szenario gewarnt, in dem, sollte das Virus bis Mitte März nicht eingedämmt sein, die ganze Welt für 21 Tage in Quar­an­täne gehen soll. In einem weit­eren Ket­ten­brief wer­den ange­bliche Tipps eines ver­meintlichen Arztes aus Shen­zhen weit­ergeleit­et, der erk­lärt, wie man das Coro­n­avirus erkenne und sich schützen könne.

Über solche Kettenbriefe auf Whatsapp werden falsche und irreführende Informationen rund um das Coronavirus verbreitet. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, sie nicht weiterzuleiten.

Über solche Kettenbriefe auf Whatsapp werden falsche und irreführende Informationen rund um das Coronavirus verbreitet. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, sie nicht weiterzuleiten.

Beim Inhalt dieser Ket­ten­briefe han­delt es sich um unbe­wiesene Behaup­tun­gen, die ein­er näheren Prü­fung nicht stand­hal­ten. Ein feuchter Mund oder feuchter Rachen, wie im Beispiel oben vorgeschla­gen, helfen nicht gegen Covid-19. Die Viren gelan­gen unter anderem in den Nasen-Rachen-Raum sowie in die Lun­gen – dort kann das Wass­er die Erreger nicht wegspülen.

 
 
 

Falsche Informationen haben leichtes Spiel

Die Kom­bi­na­tion aus hoher Unsicher­heit, steigen­der Angst vor Ansteck­ung und hohem Infor­ma­tions­be­darf könne dazu führen, dass Men­schen weniger kri­tisch mit Neuigkeit­en zu diesem The­ma umgin­gen und empfänglich für falsche Infor­ma­tio­nen wür­den. Wer einen solchen Ket­ten­brief emp­fange, solle ihn daher nicht weit­er­ver­bre­it­en, emp­fiehlt das Bun­de­samt für Gesund­heit (BAG). Die ungeprüften Infor­ma­tio­nen wür­den für Ver­wirrung sor­gen und wür­den die Wirkung der offiziellen Infor­ma­tio­nen ver­min­dern.

Nicht nur Mes­sag­ing-Dien­ste wie What­sapp sind betrof­fen. Auf Face­book, Insta­gram, Tik­tok, Youtube oder Twit­ter kur­sieren eben­falls falsche Infor­ma­tio­nen rund um das Coro­n­avirus. Dazu gehören neben kru­den Ver­schwörungs­the­o­rien auch zweifel­hafte Rezepte für Schutz- oder Heilmit­tel. Auch die Grup­pen-Funk­tion auf Face­book trägt zur Ver­bre­itung von falschen Infor­ma­tio­nen in Bezug auf das Coro­n­avirus bei.

Das BAG überwacht Falschnachricht­en auf den Plat­tfor­men, auf denen es aktiv ist, wie es auf Anfrage erk­lärt. Wenn es ange­bracht ist, antwortet das Kom­mu­nika­tion­steam der Behörde auch auf entsprechende Beiträge und pub­liziert selb­st aktiv kor­rek­te Infor­ma­tio­nen zum Coro­n­avirus. Zudem meldet das BAG zweifel­hafte Accounts und Beiträge an die zuständi­gen Plat­tfor­men. Viele Nutzer wür­den auch falsche Inhalte melden, was begrüsst wird. Es ermögliche dem BAG, in dieser Hin­sicht auf dem Laufend­en zu bleiben, sagt eine Sprecherin. Auch die Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion (WHO) ist auf den Plat­tfor­men mit eige­nen Inhal­ten präsent. Kür­zlich hat die Organ­i­sa­tion einen Account auf Tik­tok eröffnet, um ein jün­geres Zielpub­likum mit Infos zum Coro­n­avirus zu erre­ichen.

Plattformen intensivieren Kampf gegen Fake-News

Die Social-Media-Plat­tfor­men haben eben­falls Mass­nah­men ergrif­f­en. In der Ver­gan­gen­heit standen die Konz­erne wieder­holt in der Kri­tik, zu wenig gegen falsche und irreführende Infor­ma­tio­nen zu unternehmen. Im Rah­men der Coro­na-Krise ver­suchen die Plat­tfor­men ver­mehrt, falsche Infor­ma­tio­nen aktiv zu bekämpfen. Sucht man auf Google, Twit­ter, Face­book oder Insta­gram nach «Coro­n­avirus» oder einem ähn­lichen Schlüs­sel­be­griff, wird gle­ich als Erstes ein Link angezeigt, der zur nationalen Gesund­heits­be­hörde oder zur WHO führt. Weit­er zeigt Face­book in betrof­fe­nen Län­dern offizielle Infor­ma­tio­nen zu Covid-19 direkt im News Feed an, ohne dass Nutzer danach suchen müssen.

Wer auf Google oder Facebook nach «Coronavirus» sucht, erhält gleich als Erstes einen Link zur nationalen Gesundheitsbehörde oder zur Weltgesundheitsorganisation.

Wer auf Google oder Facebook nach «Coronavirus» sucht, erhält gleich als Erstes einen Link zur nationalen Gesundheitsbehörde oder zur Weltgesundheitsorganisation.

Die Fak­tencheck­er des Konz­erns wür­den zudem laufend Inhalte im Zusam­men­hang mit dem Coro­n­avirus über­prüfen, sagt ein Face­book-Sprech­er auf Anfrage: «Wird ein Beitrag als falsch bew­ertet, wird die Reich­weite eingeschränkt und wer­den ver­lässliche Infor­ma­tio­nen zum The­ma einge­blendet.» Auch für Face­book-Grup­pen, über die wieder­holt falsche Infor­ma­tio­nen ver­bre­it­et wür­den, werde die Reich­weite eingeschränkt. Wenn Gesund­heit­sor­gan­i­sa­tio­nen Beiträge mit Falschin­for­ma­tio­nen melde­ten, wür­den Face­book-Mitar­beit­er diese über­prüfen und gegebe­nen­falls löschen.

 
Bei What­sapp gestal­tet sich die Sit­u­a­tion etwas schwieriger. Da die Kom­mu­nika­tion zwis­chen den Nutzern ver­schlüs­selt ist, kann der Inhalt von Nachricht­en nicht über­prüft wer­den. Der Mes­sag­ing-Dienst hat die Anzahl an Chats, in die man Nachricht­en weit­er­leit­en kann, jedoch schon vor einiger Zeit auf fünf begren­zt. What­sapp appel­liert zudem an die Eigen­ver­ant­wor­tung der Nutzer. Auch das BAG ruft dazu auf, Ket­ten­briefe nicht weit­erzuleit­en.

Betrüger nutzen mit Fake-Shops die Gunst der Stunde

Die grosse Unsicher­heit rund um das Coro­n­avirus führt auch dazu, dass in vie­len Apotheken und Droge­rien die Atem­schutz­masken ausverkauft sind. Diesen Umstand machen sich Betrüger zunutze, die Masken und andere Uten­silien zum ange­blichen Schutz vor dem Virus – wie Ein­weghand­schuhe oder Desin­fek­tion­s­mit­tel – über falsche Online-Shops anbi­eten. Wer etwas bestellt, wartet jedoch verge­blich auf die gekaufte Ware.

In einem Fall, den das Lan­deskrim­i­nalamt Sach­sen pub­lik gemacht hat, wurde das betrügerische Ange­bot via eine Spam-E-Mail ver­schickt. Dabei miss­braucht­en die Täter den Namen eines real existieren­den deutschen Unternehmens als Absender. Wer dem Link in der E‑Mail fol­gt, lan­det auf ein­er pro­fes­sionell ausse­hen­den, jedoch gefälscht­en Shop-Seite, die nichts mit dem real existieren­den Unternehmen zu tun hat.

Auch auf Face­book wird medi­zinis­ches Mate­r­i­al, teil­weise auch in betrügerisch­er Absicht, ange­boten. Wie ein Sprech­er ankündigte, wolle die Plat­tform Wer­bung und Verkauf­sange­bote für medi­zinis­che Schutz­masken vorüberge­hend unter­sagen. Bere­its imple­men­tiert sei das Ver­bot, mit gesund­heits­be­zo­ge­nen oder medi­zinis­che Behaup­tun­gen über das Coro­n­avirus für ein Pro­dukt zu wer­ben. Auch Google erk­lärte, Anzeigen, die ver­sucht­en aus dem Coro­n­avirus Kap­i­tal zu schla­gen, zu block­ieren.

 

Gefälschte Shops sind oft daran zu erken­nen, dass das Impres­sum auf der Web­site unvoll­ständig oder fehler­haft ist. Zudem sind die AGB fehler­haft, fehlen ganz oder wur­den von ein­er frem­den Seite kopiert. Auch Fehler in Gram­matik und Rechtschrei­bung kön­nen Hin­weise auf einen Fake-Shop sein. Wer eine Bestel­lung über einen falschen Shop getätigt hat, sollte unverzüglich seinen Zahlungsan­bi­eter kon­tak­tieren und ver­suchen, die Zahlung zu stop­pen. Weit­er wird ger­at­en, bei der örtlichen Polizei Anzeige zu erstat­ten.

Quelle: www.nzz.ch

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