Eine Woche nach einem grossen Sys­temaus­fall bei der UBS legt eine defek­te Hard­ware-Kom­po­nente bei der Swiss­com die Fes­t­netz-Tele­fonie lahm. Die Ver­ant­wor­tung dafür sollte nicht allein dem Zufall zugeschrieben wer­den.

«Per­fekt ver­net­zt – Always con­nect­ed», so wer­den wir am frühen Fre­ita­gnach­mit­tag auf der Start­seite von swisscom.ch begrüsst. Doch eben ger­ade war dieses Netz gross­flächig aus­ge­fall­en; am Fre­itag­mor­gen stand das Fes­t­netz der Swiss­com während knapp anderthalb Stun­den nicht zur Ver­fü­gung. Ein solch­er Aus­fall, so ist auf Anfrage von der Fir­ma zu erfahren, sei «sehr sel­ten».

Die Com­put­ertech­nik und ins­beson­dere die Ver­fahren der Inter­netkom­mu­nika­tion haben in jüng­ster Ver­gan­gen­heit die Tele­fonie grundle­gend verän­dert. Die Dig­i­tal­isierung hat den Anwen­dern vielfältige neue Möglichkeit­en eröffnet. Tele­fon­leitun­gen sind nicht mehr nur für die fer­n­mündliche Kom­mu­nika­tion da, sie ver­mit­teln auch Videos, Songs, Web­seit­en, Pro­gramm­codes, Banküber­weisun­gen, Karten­ma­te­r­i­al.

Der Tele­fonie haben sich dank der Dig­i­tal­isierung zahlre­iche neue Anwen­dungs­bere­iche eröffnet. Doch lei­der hat sich auch die Fehler­an­fäl­ligkeit erhöht. Alles ist mit allem ver­net­zt – das ist schön, wenn es denn «per­fekt» ist. Wenn irgend­wo ein Fehler auftritt, lassen sich die Auswirkun­gen oft­mals nicht mehr ein­gren­zen. Die Störun­gen pflanzen sich fort, ver­mehren sich, schaukeln sich auf.

Dass die Nutzung der Com­put­ertech­nik Risiken in sich birgt, ist alles andere als eine neue Erken­nt­nis. Inner­halb der ältesten Branchen­vere­ini­gung im Bere­ich der Infor­matik – der amerikanis­chen Asso­ci­a­tion for Com­put­ing Machin­ery – sorgten die Com­put­er­risiken bere­its in den 1970er Jahren für die Grün­dung ein­er spezial­isierten Arbeits­gruppe. Zunächst ging es nur darum, Mel­dun­gen über Com­put­er­pan­nen zu sam­meln und weit­erzu­ver­bre­it­en, Mitte der 1980er Jahre wurde dann für die Diskus­sion solch­er Vor­fälle ein eigenes «Risk Forum» gegrün­det. Unter risk.org kann man heute noch nach­le­sen, was die Inge­nieure damals beschäftigt hat: Es ging etwa um einen Pro­gram­mier­fehler in ein­er Soft­ware von AT&T, der zur Folge hat­te, dass es während Monat­en nicht möglich war, von den USA Gesprächspart­ner in Griechen­land anzu­rufen.

1996 ver­wan­delte sich eine Ari­ane-4-Rakete wenige Sekun­den nach dem Start in einen Feuer­ball. Der Schaden von 370 Mil­lio­nen Dol­lar wurde durch eine einzige fehler­hafte Codezeile verur­sacht. Nun begann sich auch eine grössere Öffentlichkeit für Com­put­er­risiken zu inter­essieren; Büch­er zum The­ma wie beispiel­sweise eines mit dem reis­serischen Titel «Dig­i­tales Ver­häng­nis» (Lau­ren Ruth Wiener) sorgten für Angst und Schreck­en.

Die dig­i­tale Welt ist sehr ver­let­zlich. Wir wis­sen es. Und doch staunen wir, wenn die Com­put­er­bild­schirme plöt­zlich erblind­en, wenn das Tele­fon ver­s­tummt. Dieser Tage kom­men wir aus dem Staunen nicht mehr her­aus: Ver­gan­gene Woche wurde die Schweiz­er Gross­bank UBS von ein­er gravieren­den Com­put­er­panne über­rascht. Soft­ware-Prob­leme auf den Main­frame-Com­put­ern brem­sten nicht nur die Mitar­beit­er der Bank, son­dern macht­en auch den Kun­den zu schaf­fen. Die Ban­co­mat­en waren nur noch beschränkt ein­satzfähig, E‑Banking und Mobile-Bank­ing funk­tion­ierten gar nicht mehr. Einen solchen Aus­fall, so hiess es, sei in der Geschichte der Bank nicht erin­ner­lich.

Ist diese Häu­fung von Com­put­er­pan­nen zufäl­lig? Oder gibt es einen Zusam­men­hang zwis­chen den bei­den Ereignis­sen? Vorder­gründig nicht, es sind unter­schiedliche Tech­nolo­gien, die Prob­leme macht­en, die Art der Fehler ist nicht ver­gle­ich­bar. Doch müssen sich die Ver­ant­wortlichen der bei­den grossen Schweiz­er Fir­men schon fra­gen lassen, ob sie wirk­lich genü­gend getan haben, um solche Aus­fälle zu ver­hin­dern. 100-prozentige Sicher­heit gibt es nicht. Aber es gibt in der Infor­matik sehr wohl tech­nis­che Möglichkeit­en, um sich durch mehrfach redun­dante Sys­temar­chitek­turen auf das Unvorherse­hbare vorzu­bere­it­en. Wer die Kosten nicht scheut, kann sich viele Neunen kaufen, um eine 99-prozentige Sicher­heit sehr nahe an die 100-Prozent-Marke her­anzuführen.

Quelle: www.nzz.ch

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