Während die USA Soft­ware zur Gesicht­serken­nung zunehmend ein­set­zen, prüft die EU ein tem­poräres Ver­bot davon. In Google-Chef Sun­dar Pichai hätte sie darin einen mächti­gen Ver­bün­de­ten.

Sun­dar Pichai, der Konz­ernchef des amerikanis­chen Such­maschi­nen­be­treibers Google, hat sich am Mon­tag in Brüs­sel für die Reg­ulierung von kün­stlich­er Intel­li­genz (AI) aus­ge­sprochen. Es ist kein Zufall, dass der mächtige Man­ag­er auf dem Weg zum Weltwirtschafts­fo­rum in Davos in Brüs­sel einen Zwis­chen­halt gemacht hat. Sein Inter­esse dürfte laufend­en Geset­ze­sar­beit­en der neuen EU-Kom­mis­sion gel­ten. Deren Präsi­dentin, Ursu­la von der Leyen, hat näm­lich einen ganzen Wust neuer Strate­gien und Vorhaben bere­its inner­halb der ersten 100 Tage ihrer Amt­szeit ver­sprochen. Darunter befind­et sich auch ein «europäis­ch­er Ansatz für kün­stliche Intel­li­genz», den Mar­grethe Vestager voraus­sichtlich am 19. Feb­ru­ar vorstellen wird. Denn laut einem Entwurf dieses Papiers, den die Medi­en­plat­tform Politi­co veröf­fentlicht hat, erwägt die EU-Kom­mis­sion, den Ein­satz von Gesicht­serken­nung im öffentlichen Raum für eine beschränk­te Dauer von drei bis fünf Jahren zu ver­bi­eten. In dieser Zeit sollen Meth­o­d­en zur Beurteilung der Auswirkun­gen der Tech­nolo­gie und Mass­nah­men zur Reduk­tion der Risiken entwick­elt wer­den.

Google-Chef Pichai fordert Regulierung 

«Es gibt für mich keinen Zweifel, AI muss reg­uliert wer­den», sagte Pichai am Mon­tagabend an einem Vor­trag bei der Denk­fab­rik Bruegel in Brüs­sel. Die Frage sei, wie man das am besten ange­he. Er plädierte für eine inter­na­tionale Abstim­mung zwis­chen den USA und Europa und betonte, dass möglich­er Schaden und soziale Chan­cen jew­eils gegeneinan­der abge­wogen wer­den soll­ten. Es gebe berechtigte Bedenken gegenüber Gesicht­serken­nungs-Tech­nolo­gien. Zwar könne man damit etwa ver­mis­ste Per­so­n­en bess­er auf­spüren. Doch könne die Tech­nolo­gie auch für ruchlose Zwecke einge­set­zt wer­den. In den von Google selb­st definierten AI-Prinzip­i­en habe sich das Unternehmen aber fest­gelegt, in Bere­ichen wie der Massenüberwachung keine AI-Pro­duk­te anzu­bi­eten oder einzuset­zen, so Pichai.

Seit rund zwanzig Jahren gibt es Soft­ware­fir­men, die mit Gesicht­serken­nung Geschäfte machen möcht­en. Die meis­ten wur­den nicht alt: Eye­mat­ic, Face Snap, Viis­age , Vision­ics und wie sie alle heis­sen – die Liste der mit Gesicht­serken­nung gescheit­erten Soft­ware­fir­men ist lang. Anfänglich waren es vor allem tech­nis­che Prob­leme, die den Erfolg ver­hin­derten, neuerd­ings sind es ethis­che. Der Staat müsse bei der Gesicht­serken­nung ein­greifen, forderte ein hochrangiger Microsoft-Man­ag­er (Brad Smith) schon vor einem Jahr. Die Tech­nik habe in jüng­ster Ver­gan­gen­heit grosse Fortschritte gemacht, das werfe poli­tis­che und soziale Fra­gen auf. Es brauche eine «umsichtige Reg­ulierung».

Die jüngst von der «New York Times» aufgedeck­ten Aktiv­itäten ein­er amerikanis­chen Gesicht­serken­nungs-Fir­ma dürften solche Forderun­gen unter­mauern. Dem­nach soll ein junger Aus­tralier mit viet­name­sis­chen Wurzeln in den USA mit sein­er Fir­ma Clearview AI eine riesige Foto­daten­bank aufge­baut haben und auf dieser Basis Gesicht­serken­nung als Dien­stleis­tung ange­boten haben. Kun­den seien Polizeibehör­den in den USA und in Kana­da. Seit­dem die «New York Times» am Sam­stag die Geschäftsmeth­o­d­en der Fir­ma pub­lik gemacht hat, ist Clearview AI weltweit in die Schlagzeilen ger­at­en.

Ohne Wissen der Betroffenen

In der Foto­daten­bank von Clearview AI sollen mehr als drei Mil­liar­den Fotos gespe­ichert sein. Sie seien aus Face­book, Youtube und anderen Inter­net-Quellen zusam­menge­tra­gen wor­den. In Kom­bi­na­tion mit ein­er Gesicht­serken­nungs-Soft­ware, deren Fähigkeit­en von der Zeitung ohne weit­ere Erk­lärung als «bahn­brechend» beschrieben wer­den, sei Clearview AI in der Lage, fast jeden und jede anhand eines Fotos zu iden­ti­fizieren. «Das ist das Ende der Pri­vat­sphäre, wie wir sie ken­nen», heisst es im Titel des «New York Times»-Berichts. Das ist wohl über­trieben. Denn der Grossteil der Bilder, die Clearview AI im Inter­net einge­sam­melt hat, dürfte nicht pri­vat sein.

Warnungen des Schweizer Datenschützers

«Es gibt hier ganz offen­sichtlich rechtliche Lück­en», sagt auf Anfrage der Eidgenös­sis­che Daten­schutzbeauf­tragte Adri­an Lob­siger. «Ich gehe davon aus, dass Clearview AI bei der Beschaf­fung dieser Fotos die Per­sön­lichkeit der betrof­fe­nen Per­so­n­en in der Schweiz und auch die Nutzungs­be­din­gun­gen der sozialen Plat­tfor­men ver­let­zt hat.» Er sel­ber habe die Fir­ma aufge­fordert, ihn über alle Dat­en, die sie von ihm besitze, zu informieren. Zudem habe er die Löschung dieser Dat­en ver­langt.

«Ich rate Pri­vat­en und Behör­den in der Schweiz davon ab, mit Clearview AI zusam­men­zuar­beit­en.» Er werde mit dieser Empfehlung auch an die Strafver­fol­gungs- und Sicher­heits­be­hör­den des Bun­des gelan­gen. Den Social-Media-Nutzern gibt er den Rat, über die Vor­e­in­stel­lun­gen der diversen Anwen­dun­gen die Ver­linkung von Fotos mit Such­maschi­nen zu unter­sagen.

Quelle: www.nzz.ch

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