Ama­zon, Apple, Google und andere wichtige Anbi­eter von Smart-Home-Pro­duk­ten wollen das Geschäft mit einem gemein­samen Stan­dard beleben.

Das Smart Home ist eine begeis­ternde Zukun­ftsvi­sion, die sich aber seit Jahrzehn­ten behar­rlich der Gegen­wart ver­weigert. Irgend­wann wer­den Jalousien, Heizkör­p­er, Lüf­tungsan­la­gen und Lam­p­en sich sel­ber regeln, irgend­wann wird der Kühlschrank fehlende Lebens­mit­tel sel­ber bestellen, die Stereoan­lage stets die passenden Songs parat haben. Irgend­wann wird es so weit sein. Und es wird dann auch so sein, dass alle elek­tro­n­is­chen Kom­po­nen­ten im Hause sich einan­der mit­teilen und voneinan­der ler­nen kön­nen. Irgend­wann.

Aber noch ist es nicht so weit. Noch ist die Smart­ness in der Heimau­toma­tion Stück­w­erk und auf Teil­bere­iche begren­zt. Es gibt da die Lam­p­en dieses einen Her­stellers, die sich miteinan­der ver­net­zen und mit dem Smart­phone fern­s­teuern lassen. Nur lei­der ver­tra­gen sie sich nicht mit den Lam­p­en dieses anderen Her­stellers und der Soft­ware dieses anderen Smart­phones. Es gibt da dieses elek­tro­n­is­che Türschloss, das net­zw­erk­tauglich ist und mit Laut­sprech­ern im Wohnz­im­mer kooperiert. Nur lei­der ver­weigert es die Zusam­me­nar­beit mit diesen anderen Smart Speak­ers in der Küche. Und dann gibt es eine grosse Zahl von Smart-Home-Pro­duk­ten, die heimat­los gewor­den sind, unbrauch­bar, weil der Her­steller sie übereilt auf den Markt gebracht und dann – nach Ver­lus­ten – das Geschäft aufgegeben hat.

Fehlende Stan­dards haben bish­er das Smart-Home-Geschäft stark gebremst. Ama­zon, Google und andere glaubten die tech­nis­chen Rah­menbe­din­gun­gen allein bes­tim­men zu kön­nen. Sie hofften wohl, dieses Geschäft dere­inst im sel­ben Aus­mass kon­trol­lieren zu kön­nen, wie Microsoft das bei den Per­son­al Com­put­ern tat. Doch kein­er der Her­steller kon­nte die Ober­hand gewin­nen, im Behar­ren auf inkom­pat­i­ble Stan­dards behin­derten sie sich gegen­seit­ig. Mehrmals haben wichtige Anbi­eter einen Anlauf genom­men, um konkur­ri­erende Stan­dards unter einem Dach zusam­men­zubrin­gen. Die Namen von Branchenor­gan­i­sa­tio­nen wie Alljoyn Alliance, Open Con­nec­tiv­i­ty Foun­da­tion, Thread Group oder Zig­bee Alliance ver­weisen auf solche Bemühun­gen. Sie ver­liefen im Sand.

Fehlende Stan­dards sind nicht die einzige Schwierigkeit, mit der sich die Käufer von Smart-Home-Pro­duk­ten herum­schla­gen müssen. Es häufen sich auch Mel­dun­gen über Sicher­heit­sprob­leme. Laut ein­er Unter­suchung sind weltweit ein Drit­tel der ver­net­zten Haushalte angreif­bar, weil min­destens ein Gerät – WLAN-Router, Druck­er, Set-Top-Box­en, Sicher­heit­skam­eras oder anderes – Sicher­heit­slück­en enthält. Die im «Project Con­nect­ed Home over IP» zusam­mengeschlosse­nen Fir­men haben Sicher­heit zum «grundle­gen­den Merk­mal» ihrer Lösung erk­lärt. Aber noch ist es nicht so weit. Diese Lösung soll erst gegen Ende 2020 Form annehmen. Das Smart Home bleibt vor­erst noch, was es immer schon war: eine Zukun­ftsvi­sion.

Nun also weckt das neue «Project Con­nect­ed Home over IP» Hoff­nun­gen auf einen Her­steller-über­greifend­en Smart-Home-Stan­dard. Sind diese Hoff­nun­gen berechtigt? Dafür spricht, dass dies­mal wirk­lich alle wichti­gen Her­steller an einem Strick ziehen. Neben Ama­zon, Apple und Google gehören dazu auch alle Mit­glieder der Zig­bee Alliance, die Fir­men wie Ikea, Sam­sung oder Sig­ni­fy (bekan­nt als Philips Hue) hin­ter sich weiss. Dage­gen spricht, dass die spär­lichen Infor­ma­tio­nen, die bish­er über das neue Pro­jekt pub­liziert wur­den, Gegen­sät­zlich­es ver­sprechen: Ein­er­seits soll ein «neuer» Kom­mu­nika­tion­s­stan­dard entwick­elt wer­den, der ander­er­seits beste­hende Tech­nolo­gie von Ama­zon, Apple, Google und Zig­bee in sich vere­int. Dieses Ein­er­seits-ander­er­seits ist nur um den Preis ein­er hohen tech­nis­chen Kom­plex­ität zu haben.

Quelle: www.nzz.ch