Die Schweiz­er Start­up-Szene hat in den ver­gan­genen Jahren eine markante Dynamisierung erfahren. Für ein weit­eres Wach­s­tum sind aber Börse und Inve­storen gefordert.

Die Jun­gun­ternehmen sind die Zukun­ft des Wirtschafts­stan­dorts. Wie sich die Start­up-Szene schlägt – auch im Ver­gle­ich zu anderen Län­dern –, ist deshalb von Inter­esse. Dank dem Onlinepor­tal Startupticker.ch und der Uni­ver­sität Lau­sanne gibt es jet­zt erst­mals eine umfassende Auswer­tung des Start­up-Stan­dortes Schweiz. Dat­en zu 4000 Fir­men­grün­dun­gen aus den Jahren 1995 bis 2017 sind analysiert wor­den für den «Start­up Radar», der am Mittwoch pub­liziert wor­den ist.Mit der Eröff­nung eines Coif­feur­sa­lons oder ein­er Bäck­erei entste­ht noch kein Start­up. Dazu muss ein Jun­gun­ternehmen sechs Kri­te­rien erfüllen: inter­na­tionale Absatzmärk­te, Fokus auf Inno­va­tion, ambi­tion­ierte Wach­s­tum­spläne, skalier­bares Geschäftsmod­ell, wis­senschafts- und tech­nolo­giebasiert­er Ansatz sowie inter­na­tionale Inve­storen.

Schwacher IT-Bereich

In den ver­gan­genen fün­fzehn Jahren hat sich die Grün­dung von Star­tups in der Schweiz stark beschle­u­nigt. Mit­tler­weile wer­den rund 300 Star­tups jährlich lanciert. Das sind mehr als das Vier­fache der Grün­dun­gen vor 15 Jahren. Doch die Entwick­lung ver­lief nicht gle­ich­mäs­sig. Ein erstes Hoch gab es in der zweit­en Hälfte der neun­ziger Jahre. Nach dem Platzen der Dot­com-Blasé war das Jahr 2002 ein Tief­punkt. Zehn Jahre später wurde dann ein Niveau erre­icht, das bis heute gehal­ten wird. Die Steigerungsrate ist auch deshalb ein­drück­lich, weil sich die Rah­menbe­din­gun­gen nicht verän­dert haben. Die Grün­dungsak­tiv­ität spiegelt das Gewicht der etablierten Schweiz­er Unternehmen. Wenn im inter­na­tionalen Kon­text die Sprache auf Star­tups kommt, sind meis­tens IT- und Inter­net­fir­men gemeint. Unser Land weist jedoch in den Tra­di­tions­branchen Phar­ma und Medi­z­inal­tech­nik, Finanz­di­en­stleis­tun­gen und indus­trielle Fer­ti­gung im inter­na­tionalen Ver­gle­ich viele und über­durch­schnit­tlich erfol­gre­iche Star­tups auf. Dies trägt in den entsprechen­den Branchen zu ein­er struk­turellen Erneuerung bei. Die Anteile dieser Branchen am Start­up-Vol­u­men sind in der Schweiz jew­eils dop­pelt so hoch wie in Gross­bri­tan­nien, Deutsch­land, Frankre­ich und Spanien (vgl. Grafik).

Die Schweiz hat einen Hang zu «Hardware»

Tätigkeits­ge­bi­ete der Jun­gun­ternehmen nach Sek­toren im Ver­gle­ich, in %

Eine Aus­nahme im «schwachen» Tech­nolo­giebere­ich bilden Star­tups aus der Finanzin­dus­trie und dem Kryp­to-Sek­tor sowie IT-Secu­ri­ty-Fir­men. Sowohl beim Aktiv­itäts­feld «Finanz­di­en­stleis­tun­gen und Fin­tech» als auch bei «Blockchain und Kryp­to» kann die Schweiz mit dem in Europa führen­den Gross­bri­tan­nien mithal­ten. Punk­to Wach­s­tum nehmen es die hiesi­gen Star­tups gemäch­lich. In den ersten zehn Jahren schaf­fen die Fir­men weniger Arbeit­splätze als Unternehmen in anderen wes­teu­ropäis­chen Län­dern. Ein Start­up hat im Schnitt nach zehn Jahren 16 Mitar­beit­er. Dieses langsame Wach­s­tum hat gemäss Stu­di­en­au­toren auch damit zu tun, dass Schweiz­er Fir­men kom­plexe Pro­duk­te entwick­eln oder in Märk­ten mit lan­gen Pro­duk­tzyklen tätig sind. Im zweit­en Jahrzehnt expandieren die Fir­men dann dop­pelt so schnell, wenn dieses Alter über­haupt erre­icht wird: Nach sechs Jahren ist die Wahrschein­lichkeit ein­er Liq­ui­da­tion oder eines Konkurs­es am höch­sten.

Keine Konzentration

Nur 6% der neuge­grün­de­ten Gesellschaften wer­den verkauft oder find­en den Weg an die Börse. Diese Transak­tio­nen wären jedoch wichtig für die Dynamik der Start­up-Szene. In der Schweiz entwick­elt sich die grosse Mehrheit der Jun­gun­ternehmen zu eigen­ständi­gen KMU. Die Studie zeigt indes auch, dass die Start­up-Szene in der Schweiz noch jung ist. Über die Jahre entwick­elt die Branche – ein Beispiel ist hier das Sil­i­con Val­ley – eine Eigen­dy­namik. Immer mehr erfol­gre­iche Grün­der, Risikokap­i­tal­ge­ber und Mitar­beit­er investieren ihre Mit­tel in weit­ere Fir­men­grün­dun­gen und beschle­u­ni­gen so den Wach­s­tum­strend. Während es in anderen Län­dern Start­up-Zen­tren wie das Sil­i­con Val­ley, Berlin oder Lon­don gibt, ist die ganze Schweiz Start­up-Ter­ri­to­ri­um. Ein wichtiger Fak­tor sind hier die tech­nis­chen Hochschulen. Im Kan­ton Zürich find­en sich ein Drit­tel der Jun­gun­ternehmen, der Kan­ton Waadt stellt 15%. Dahin­ter fol­gen die bei­den Basel mit 9%, Genf mit 7% und Zug mit 5%.

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Quelle: www.nzz.ch