Die Coro­na-Krise ist für Influ­encer in diesen Tagen das beherrschende The­ma. Ein Augen­schein auf Social Media zeigt, wie unter­schiedlich der Umgang damit ist. Von pflicht­be­wusst bis unser­iös ist alles mit dabei.

Das Coro­n­avirus und die von den Behör­den ange­ord­neten Mass­nah­men haben die Schweiz, Deutsch­land und einen Grossteil der Welt fest im Griff (zu den neusten Entwick­lun­gen). Das trifft auch auf Influ­encer zu, die über ihre Social-Media-Kanäle täglich ein gross­es und junges Pub­likum erre­ichen. Diese gehen unter­schiedlich mit der Sit­u­a­tion um, wie ein Blick auf die ver­schiede­nen Plat­tfor­men zeigt.

Wie jed­er, der sich online bewegt, sind auch Influ­encer nicht vor Falschin­for­ma­tio­nen sich­er. Auf­grund ihrer grossen Reich­weite ist es jedoch umso gefährlich­er, wenn sie irreführende oder falsche Nachricht­en ver­bre­it­en. Die Ver­bre­itung verun­sichert die Empfänger und erschw­ert es den Behör­den, die tat­säch­lichen Mass­nah­men effek­tiv zu kom­mu­nizieren. Der Rap­per Chris Brown teilte über seine Insta­gram-Sto­ry vorherige Woche eine von den Behör­den zurück­gewiesene Sprach­nachricht, wonach in den USA eine Aus­gangssperre ver­hängt wird und man keine Einkäufe mehr täti­gen kann. Der Account des Rap­pers hat über 62 Mil­lio­nen Fans. Einige davon ver­bre­it­eten die Nachricht im Anschluss über Twit­ter, dadurch erre­ichte die Falschin­for­ma­tion noch mehr Leute. 

Scherz und Fake liegen nahe beieinander

Es ist nicht der einzige Beitrag zum Coro­n­avirus, den Chris Brown auf sein­er Insta­gram-Seite teilte. Der Grossteil sind harm­lose Memes zum The­ma. Darunter ein Video, das anhand von Song­tex­ten auf die Social-Dis­tanc­ing-Regeln aufmerk­sam macht. Über seine Sto­ry ver­bre­it­ete er jedoch auch eine Pas­sage aus einem Buch der selb­ster­nan­nten Wahrsagerin Sylvia Browne von 2008, wo für 2020 eine Atemwegserkrankung voraus­ge­sagt wird, die so schnell wieder ver­schwinden wird, wie sie aufge­taucht ist.

Die Gren­ze zwis­chen dem, was lustig ist, und dem, was bere­its zu weit geht, ist teil­weise schwierig zu find­en. Während die Social-Media-Per­sön­lichkeit Zeki noch vor ein­er Woche Leute im Scherz ange­hus­tet und mit Wass­er bespritzt hat und damit gemis­chte Reak­tio­nen her­vor­rief, nimmt er diese Woche mit ange­blich sehr wertvollen Acces­soires aus WC-Papi­er die Ham­sterkäufer auf die Schippe. Ein Video, das in den dazuge­höri­gen Kom­mentaren sehr viel bess­er ankam. Am Mittwoch zeigte Zeki dann, dass er auch Ernst kann: In einem in Schwarz-Weiss gehal­te­nen Video rief er seine Fans auf, die von den Behör­den ange­ord­neten Mass­nah­men zu befol­gen.

Einige Influ­encer ver­suchen, aus dem dom­i­nan­ten, wel­tumspan­nen­den The­ma Kap­i­tal zu schla­gen. Die auf Tik­tok präsente Ava Louise gelangte zu zweifel­haftem Ruhm, nach­dem sie in einem Video den Ring ein­er Flugzeug­toi­lette abg­eleckt hat­te und eine «Coro­n­avirus-Chal­lenge» hat­te lancieren wollen. Das unap­peti­tliche Video tat seinen Zweck: Es ging viral, und Ava Louise bekam weltweit Aufmerk­samkeit. Der Clip ist inzwis­chen wieder aus ihrem Kanal ver­schwun­den. Auch über andere Wege wird ver­sucht, mit dem Coro­n­avirus Reich­weite zu gener­ieren. Die Influ­encer Stephanie Lind­ner und Michael Bauer haben ein Gewinn­spiel lanciert, bei dem man ein Not­fall­paket, beste­hend aus Nudeln, Klopa­pi­er und Coro­na-Bier, gewin­nen kann – natür­lich gegen Likes, Abos und Markierun­gen.

Der Ver­such, aus dem Coro­n­avirus Prof­it zu schla­gen, kann unter Umstän­den auch gefährlich sein. Die frühere amerikanis­che Bach­e­lor-Kan­di­datin Krys­tal Niel­son teilte auf Insta­gram einen Beitrag, in dem sie erzählt, ein Arzt im Fernse­hen habe ange­blich gesagt, dass Kinder kein Coro­n­avirus bekom­men kön­nten, da sie keine Entzün­dun­gen hät­ten auf­grund von Alko­hol, Rauchen oder ver­ar­beit­etem Zuck­er. Dazu bewarb sie ihr eigenes Detox-Pro­gramm, das den Kör­p­er von innen her­aus zu heilen ver­möge. Während das Ange­bot das Wohlbefind­en und die all­ge­meine Gesund­heit der Teil­nehmer dur­chaus steigern kön­nte, gibt es keinen Hin­weis darauf, dass es beim Coro­n­avirus nützt.

Influencer treffen den richtigen Ton

Viele Influ­encer geben sich auch grosse Mühe, ihre Fans mit den richti­gen Infor­ma­tio­nen zu ver­sor­gen. Sie appel­lieren an die Fol­low­er, die Abstand­sregel einzuhal­ten, sich die Hände zu waschen und die Mass­nah­men der Behör­den ernst zu nehmen. Der Mod­er­a­tor und Come­di­an Ste­fan Büss­er, der selb­st zu ein­er gefährde­ten Risiko­gruppe gehört, erk­lärt in einem fün­fzehn­minüti­gen Video den Zuschauern den Ernst der Lage. Gemein­sam mit dem Arzt und Komik­er Fabi­an Untereg­ger schafft er den Spa­gat zwis­chen Humor und ser­iös­er Infor­ma­tion. Das gibt sog­ar Applaus vom Bun­de­samt für Gesund­heit (BAG).

Quelle: www.nzz.ch