Der Stream­ing-Dienst reagiert auf eine Forderung der EU und drosselt die Datenüber­tra­gung. In der Schweiz hat sich die Lage seit Mon­tag der­weil entspan­nt.

 

«Net­flix hat beschlossen, die Über­tra­gungsrat­en für alle unsere Streams in Europa zu reduzieren», teilte das Unternehmen aus dem Sil­i­con Val­ley am Don­ner­stag mit. «Wir schätzen, dass dies den durch Net­flix verur­sacht­en Verkehr in den europäis­chen Net­zen um etwa 25 Prozent reduzieren und gle­ichzeit­ig einen guten Qual­itäts­stan­dard für unsere Kun­den gewährleis­ten wird.»

Der Inter­netverkehr hat in vie­len europäis­chen Län­dern angesichts der Coro­na-Krise deut­lich zugenom­men. Am weltweit grössten Inter­net-Knoten in Frank­furt erhöhte sich der Daten­verkehr bin­nen Wochen­frist um 10 Prozent. Noch stärk­er war der Anstieg in Län­dern mit ein­er rigi­den Aus­gangssperre. In Ital­ien und Spanien stieg der Daten­verkehr in den ver­gan­genen Tagen um 40 Prozent. Trotz­dem herrscht unter Telekom­fir­men und Inter­ne­tan­bi­etern weit­ge­hend Kon­sens: Nein, die dig­i­tale Infra­struk­tur ste­he nicht vor dem Kol­laps.

Aufruf an Netflix und Youtube

Weniger opti­mistisch ist offen­bar die EU-Kom­mis­sion. Die ungewöhn­liche Lastverteilung des Daten­verkehrs berge die Gefahr ein­er Über­las­tung der Inter­net-Infra­struk­tur. Sie befürchtet ins­beson­dere, dass eine ver­stärk­te Nutzung von Video-Stream­ing­di­en­sten das Inter­net ver­stopfen kön­nte. Und dies in ein­er Zeit, in der dieses für das Gesund­heitswe­sen, Online-Unter­richt und andere Zwecke benötigt werde.

Der franzö­sis­che Bin­nen­mark­tkom­mis­sar Thier­ry Bre­ton will dies ver­hin­dern. Er forderte Plat­tfor­men wie Net­flix oder Youtube dazu auf, Mass­nah­men zu ergreifen. «Stream­ing-Plat­tfor­men, Teleko­man­bi­eter und Nutzer, wir alle haben eine gemein­same Ver­ant­wor­tung, Mass­nah­men zu ergreifen, um das rei­bungslose Funk­tion­ieren des Inter­nets während des Kampfes gegen die Aus­bre­itung des Virus zu gewährleis­ten», liess der ehe­ma­lige Chef von France Télé­com am Mittwoch ver­laut­en.

«Let’s switch to standard»

Bre­ton hat­te am Mittwoch und Don­ner­stag mit dem CEO von Net­flix, Reed Hast­ings, Tele­fonge­spräche zu dem The­ma geführt. Die bei­den hät­ten Optio­nen erörtert, wie eine Über­las­tung des Inter­nets ver­mieden wer­den könne. Dabei ging es unter anderem um die Idee, die Bildqual­ität bei stark­er Aus­las­tung automa­tisch zu reduzieren. Genau dies will Net­flix nun vor­erst für 30 Tage machen.

«Ich begrüsse die sehr raschen Mass­nah­men, die Net­flix ergrif­f­en hat, um das rei­bungslose Funk­tion­ieren des Inter­nets während der Coro­na-Krise zu gewährleis­ten», sagte Bre­ton gemäss der Nachricht­e­na­gen­tur Bloomberg am Don­ner­stag. Net­flix-Chef Hast­ings habe ein starkes Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und Sol­i­dar­ität bewiesen. «Wir wer­den in engem Kon­takt bleiben, um die Entwick­lung der Sit­u­a­tion gemein­sam zu ver­fol­gen.»

Situation bei Swisscom hat sich beruhigt

In der Schweiz hat der Bun­desrat jüngst ähn­liche Mass­nah­men oder gar eine Abschal­tung von «daten­fressenden» Dien­sten in den Raum gestellt. Falls gravierende Eng­pässe entstün­den, habe der Bund die Möglichkeit, «nicht ver­sorgungsrel­e­vante Dien­ste einzuschränken oder zu block­ieren.» Und Swiss­com teilte mit, in ein­er solchen Sit­u­a­tion «die entsprechen­den Dien­ste ein­fach nicht mehr durchzuleit­en.»

Dazu dürfte es nun nicht kom­men. Die dig­i­tale Lage der Nation scheint ohne­hin nicht mehr so bedrohlich. So lautet das Faz­it ein­er Umfrage unter den vier grössten Teleko­munternehmen des Lan­des:

  • Bei Salt funk­tion­iert das Mobil­funknetz sowie das Glas­fas­er-Fes­t­netz laut ein­er Sprecherin weit­er­hin ohne Ein­schränkung. «Wir haben zurzeit keine beson­deren Vor­fälle zu melden.» Natür­lich überwache man Funk­tion und Leis­tung der Net­ze kon­tinuier­lich. Das Unternehmen sei mit den Bun­desämtern für wirtschaftliche Lan­desver­sorgung (BWL) und Kom­mu­nika­tion (Bakom) in Kon­takt.
  • Die Anrufe über das Netz von Sun­rise haben sich in den ver­gan­genen Tagen ver­dop­pelt bis ver­dreifacht. «Unsere Infra­struk­tur stellt dies aber nicht vor Prob­leme, das Netz ist sta­bil.» Die Num­mer zwei im Schweiz­er Mobil­funk arbeite zusam­men mit Swiss­com daran, die Kapaz­itäten an den Interkon­nek­tion­spunk­ten – also den Verbindun­gen zwis­chen den Net­zen der bei­den Konkur­renten – zu erweit­ern.
  • Laut ein­er Sprecherin von Swiss­com war diese Zusam­me­nar­beit entschei­dend, um im Ver­gle­ich zum Mon­tag eine deut­liche Verbesserung zu erzie­len. Das Tele­fonie-Ver­hal­ten habe sich stark geän­dert, seit der Bun­desrat den Not­stand aus­gerufen habe: Die Kun­den tele­fonierten deut­lich mehr – und deut­lich länger. Dies führte ins­beson­dere in Spitzen­zeit­en punk­tuell zu Kapaz­ität­sen­g­pässen bei Anrufen zwis­chen Swiss­com- und Sun­rise-Kun­den. Gemein­sam arbeit­eten Swiss­com und Sun­rise nun inten­siv an Kapaz­ität­ser­weiterun­gen zwis­chen ihren Net­zen. Dadurch seien aus­re­ichend Kapaz­itäten vorhan­den, damit Tele­fonie wie auch Inter­netverkehr in der ausseror­dentlichen Sit­u­a­tion gewährleis­tet seien.
  • UPC hat ver­schiedene Szenar­ien und Mod­elle durchgerech­net, wie sich Home-Office und Schulschlies­sun­gen auf das Kun­den­ver­hal­ten und die Net­zka­paz­ität auswirken. Dabei sei der Kabel­net­z­be­treiber zum Schluss gekom­men, dass ins­beson­dere über den Tag genü­gend Sicher­heits­mar­gen bestün­den. Wenn nötig, könne UPC auch kurzfristig die Net­zka­paz­itäten erhöhen.

Offen­bar han­delte es sich bei der bun­desrätlichen Dro­hung um ein Gedanken­spiele nach dem Mot­to «Vor­sicht ist die Mut­ter der Porzel­lankiste». Dank der frei­willi­gen Mass­nahme von Net­flix dürfte das The­ma vom Tisch sein. Es ist anzunehmen, dass andere Stream­ing-Dien­ste dem Beispiel fol­gen wer­den. 

Quelle: www.nzz.ch

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